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Sonntag, 20. Juni 2010

Brillanz


Brillanz in steifer Formation
Und eingehüllt in raues Leder
Sei heuer deiner Düfte Lohn
In Pfauentracht erscheine jeder

Mit Wässerchen ihr mich umwerbet
Und schmucken Ketten über Wunden
Auf dass die Tochter Leder erbet
Nur dieser Wunsch hat mich gefunden

Flüssen gleich schallt der Gesang
Aus all den wohl bemalten Mündern
Um Ecken, Leuchter schnell entlang
So wollen eure Lieder plündern

Vergiss mein nicht prangt auf den Stirnen
Und angehoben sind die Kleider
Der Ballsaal ist das Haus der Dirnen
Vergänglichkeit ruft all euch Neider

Vergänglichkeit auf eure Zungen
Vergänglichkeit aus euren Noten
Vergänglichkeit um euch geschlungen
Brillanz ist nur das Gut der Toten



12.12.2007

Montag, 14. Dezember 2009

Seidenponchos


Kleine stramme Waden
Vieler kleiner Zwerge


Wem könnten sie es sagen?



Ihre hohlen Sagen
Was ich stets verberge


Wie könnten sie’s ertragen?



Wüssten um den Schaden

Der stummen Tage Scherge


Wie könnten sie es wagen?


Krumme Rücken tragen

Hölzer kleiner Särge


Wem könnten sie es klagen?

Sonntag, 1. November 2009

Rückenwind

Der Hund der Zeit reißt an dem Strick

Knurrt vor lauter Köterklage

Durch fremden Honig ward er dick

Träge durch die warmen Tage

Durch Täler nun sein Bellen pflügt

Dringt in allertiefste Klammen

Der Ruf des gelben Tieres fügt

Die Herde nochmals zusammen

Sie rodet Berge wie Weiden

Frisst den Strauch samt Knospe, Samen

Ach, wie ist die Zeit bescheiden

Ach, was kennt die Zeit Erbarmen

Hin zum Biest und Knochenbergen

Denn Herbst protzt auf allen Fahnen

Gehisst von honigsüßen Schergen

Ach, was kennt die Zeit Erbarmen

Fortan kämmt ein Wind durch Breschen

Haucht ein Lied von Rost und Leiden

Zuckelt durch ergraute Eschen

Ach, wie ist die Zeit bescheiden

Abendblau




Grelle Lanzen aus Barracken stoßen in die Gassen

Phiolen dunst’ger Schleier sich auf ihnen entleeren
Ein Zwerg murrt in Versen, was wir Zwerge eben hassen
Und straff gespannte Trauben wollen längst an Ästen gären

Graue Würmer winden sich starr durch die mürrische Stadt
Ein Nachbar streift in pinkem Frack schnatternd um Gebäude
Und steht dann nah den Klippen, weil er sich vergessen hat
Ein Hecht derweil erzählt, wie er seine Zeit vergeude

Gurgelnd kurvt ein Wohnmobil des Nächtens durch Alleen
Ein kesser Knabe spielt galant in Strumpfhosen Geige
Verrückte Tänzer naschen in seinem Takte Schlehen
Und beten, dass er ihnen den Weg zur Krippe zeige



Donnerstag, 29. Oktober 2009

Morgengrau

Rosa-weiß auf Silberfäden
Hallo Spinner! Hallo Rad!
Der Ostwind reihert fette Wolken
In seine kuskusgrauen Weiten
Dschihad!
Die Pfützen und Wälder und Schützen und Gärtner
Erklären den Hunden und Kälbern den Krieg
In unserer Mitte spuken Greise
In unseren Kreisen splisst das Volk
Nur wir selbst, wir trinken Wermut
Aus rosa-weißen Fläschchen
Und pachten unsre Ländereien
Bis der Mond sich übergibt
Weil ich den sauren Rahm
in unseren engen Kleidern mag

Donnerstag, 24. September 2009

Die Lust am Spiel



Auf unsrer Reise, dem Gehörnten hinterher
Der Spur aus Fliegendreck und Ebbe täglich nach
Wo Schritte Gruben heben, floss einst tiefes Meer
Wo er schon war, da liegen reiche Felder brach

So grau und ausgebrannt, denn Teufelswind macht karg
In Felsenklüften, Geestgerippen, Höhlenland
sitzt Asche, die das Land vor Jahreszeit verbarg
Doch frisch und neu wirkt nun, was unlängst noch verbrannt

In schwachen Turmruinen finden wir ein Blatt
Das uns im Staub die Regeln eines Spieles lehrt
Ob es der Teufel dafür hinterlassen hat
Damit es die Jäger durch Lust zu ihm bekehrt?

„Blick aus zum Horizont, halt deine Lungen still
Schließ die Augen, senk die Zung‘, zähl im Geist bis zwei
So mag erkennen, wer fürwahr erkennen will
Soll die Zinnen schauen und blinzeln bei der drei

Erst bei der Neune sollst du nach Atem greifen
Hast die gelbe Feste sechs Zahlen lang erblickt
Der Preis hierfür? – Nur dein innerlich Begreifen
Ist es nicht das, weshalb ihr nach dem Teufel schickt?“

So steht es schwarz auf weißem Pergament notiert
Krauser, feuchter Stirn entziffern es die Recken
Eng an eng sie lesen, derweil es draußen friert
Der Drang zum Spiele erstickt bald allen Schrecken

Der Satan selbst hat uns zum Duell gebeten
Von Feuer und Fusel mit Wagemut bestückt
Will so mancher nun dem Fürst entgegentreten
Sie sprechen vor, ein jeder hat sein Schwert gezückt

Mit Blitzschlag ist die Nacht ein junges nacktes Weib
Ein greller Stern speit Funken in das blasse Meer
Die Männer zucken als des Teufels Zeitvertreib
Und draußen blökt vor Lust ein ganzes Ziegenheer

Die Brandung walzt an Klippen und die Spieler sind
Verdorben und verstreut, für immer sein Gewinn
Nur Lachen gelber Asche, sie kräuselt sich im Wind
Setzt sich in die Mäntel, auf Haut und in den Sinn

Zehn leere alte Gäule, vier stumme Reiter
Und viele Meilen war alles, was wir hatten
So ziehen wir stet durch Aschegärten weiter
Und jagen folgsam in seinem langen Schatten

Donnerstag, 3. September 2009

Frühlingsdüfte



Morgens zogen Nebelschwaden

An meinen Knöcheln unbeirrt

Trieben mich auf ihren Pfaden

Zu Feldern, wo das Frühjahr schwirrt

Ein Blick auf hart vereisten Grund

Und meinen Schatten auf Raureif

Zu flach und kantig, spitz und wund

So schemenhaft, gedrungen, steif

Ein Blick auf schalenlosen Forst

Und Ackerfurchen unter Tau

Den früh verwaisten Adlerhorst

Im dräuend nahen Dämmerbau

Die Sonne kläfft durch Wolkenhänge

In feste Luft sinistres Licht

spreizt den Schatten in die Länge

Nur wärmt sie nicht die Blätterschicht

Und Winde jammern öde Lieder

Von Eitelkeiten und Verzicht

Sie legen alte Düfte nieder

Mit klammem Griff mir ins Gesicht


Vergiss mein Nicht", wild einer fleht

Sich lockend um die Glieder schmiegt

Bevor er dann im Feld verweht

Und mit dem Wunsch im Tag versiegt





Samstag, 1. August 2009

Ataraxie: Eine Miliz schreiben

An die
Palisadenspringer
Hürdennehmer
Klippentänzer
Hermeline

An die,
die hinter und nicht vor sich
gähnend tiefe Gruben graben
die köpfen und nicht scheiteln
und greifen statt zu schieben

An all die
Mageren, schwarzen Ringer,
die narzisstisch Kinder morden
an die, die sich zu früher Stunde
bekennen zum Vergiss-Dein-Orden

Sagt - und sprecht in Versen…

Erfasst ihr auch das Regelwerk
Der warmblütigen Dämmerspiele
Mit jedem kleinen Randvermerk?
Verkennt ihr nicht das wahre Ziele
Der Unzahl eurer Trippelschritte,
die einst mal fort und einst mal hin
bewegen sich zur Tagesmitte
Mit Schuhwerk fest und ohne Sinn?

Habt ihr, wie Priester ihre Andacht,
zum Gähnen euch im Hinterkopfe
den Schwur des Ordens selbst erdacht
und eurem eignen Herzgeklopfe
artistisch ins Gesicht gelacht
So denn das Blut den Kopf verstopfe?

Und wenn ihr licht und angepinselt
Mit Feuersteinen Regeln brecht,
sagt, was dort an euer Ohre winselt,
Ist es nicht euer Schrei nach Recht?
Der, wenn ihr euch schlafend stellt,
als Aal durch eure Kehlen glitscht
und Wehe in die Sterne bellt
Als Laut, der sich mit Licht vermischt

„Die Dekadenz versteh‘ ich nicht
Trotz ich um ihren kalten Klang
Und ihrer Funkelaugen Sicht
In meiner Jugend Jahre rang
Ich armer, selbstverlor‘ner Wicht
bin selbst kaum, was ich stets verlang“

Mag euer ungebund‘nes Tanzen
Wohl doch nur falsches Torkeln sein,
Ein insgeheimer Schritt vor Lanzen?
Und jeder fruchtig süße Wein
Soll nicht für Freiheit und Gewalt
Euch streckenhaft Vergessen lehren
Sondern nur Aas und Missgunst bald
In euren eignen Schatten kehren?

Grabt ihr vielleicht nicht ob der Tiefe
Und ihrem dunklen Grubenerz?
Trennt ihr den Sand bis ins Reliefe
Wohl etwa nur, weil euer Herz
Bloß Erde und Gesteine sucht
Und ihr mit Schaufeln graben müsst
Damit euch, wenn ihr Nächtens flucht,
Das Echo keusch als Fremde küsst?

Wenn dann die feige Nietzschekrähe
Ihr Lock-mich-fort zum Himmel schnarrt
- Die schlanke Winterkoryphäe -
Habt ihr euch in den Ton vernarrt
Nehmt nur Reißaus, flieht aus dem Eis
Und baut aus Brennholz euer Heim
Wisst ihr denn nicht – der Schnee ist weiß
Er darf nicht warm und farbig sein
Denn jeder Schritt, den ihr nun hastet
Ist fest und tief in ihn geprägt
Da Schwere euch den Sinn belastet
Der weder Tanz noch sich verträgt

So nehmt ihr auch, jetzt wird es klar,
die Hürden um des Grauens willen
Ihr könntet nie den Kinderzar
An euren schlaffen Brüsten stillen
So stürzt in eure falschen Schächte
Die nun doch wieder vor euch klaffen
Die Königin der milden Nächte
Wird Neue eurer Art erschaffen

Mir dünkt, die Wichte eures Schlages
Mit breitem Kreuz und langer Tracht
Sie wollten sich zuletzt nichts Arges
Und haben sich doch umgebracht
Man sieht sie unter jenen stehen
Die sie mit ihren Liedern kränken
Und leise Vers für Vers vergehen
Die Minne über Wert verschenken

Dankt dem Vater, dankt der Mutter
Und paart euch selbst die Gene wund
Die Noten retten – sagt schon Luther
So führt dem Kinde an den Mund
Das Blasstück jeder Blechposaune
Und prägt ihm Ordensverse ein
Auf dass es dann im Alter staune
„Ich war so frei, so stark, so rein!
Kein Mensch erfuhr je meine Größe
Wer kann schon jene Tränen schmecken,
Die jeder opfert, fern der Blöße,
Der es versteht, sich fort zu recken“

Erkennt ihr Augen, Nase, Mund?
Seht ihr in euren Findelkindern
Dem eigenen Gesicht auf Grund?
Vermag es eure Schmach zu lindern
Dass ihre Fratzen euren gleichen?
Wenn nicht, soll es euch daran hindern
Mit Wasserblut die Welt zu bleichen!
Könnt ihr euch schon nicht selber mindern
So dürft ihr... mit der Zeit verstreichen


Genug der Verse – Abstraktion!

Montag, 20. Juli 2009

Novemberregen

Ringsher kärglich, starr verschlung'ne, schiefgewehte Hecken
die in gottverlass'nem Kummer ihre Wurzeln offenlegen
Und in Schatten krummer Bäume ihren Arm gen Himmel recken
Auf den Weglauf fällt wie Träume ruhelos Novemberregen

Wie ein Traum auch zieh'n die Wolken grauumarmt am Augenrand
eng umschlungen mit den Winden, die durch die Alleen fegen
Stumm und bitter trägt er leis' die Nacht in dieses arme Land
Und alles Schweigen dieser Stätte gibt der Schwester seinen Segen

Astlos stehen kranke Stämme an den Rändern leerer Plätze
die umhüllt von toter Rinde lebensblind zum Pfad sich neigen
schleichend nun die Düsternis das letzte fahle Licht ersetze
um dem Tod in seinem Kleid mit Fingerwink den Weg zu zeigen

Ängstlich drehend scharrt sich Laub an aufgebroch'ne Wurzelstränge
die wie Finger längst vergrab'ner leidig aus dem Erdreich ragen
strecken nach den greisen Blättern säuselnd ihre kargen Fänge
Altes Kleid von nackten Zweigen, die nun still zum Himmel klagen

Und jener blickt mit trübem Auge auf die kahlen Felder nieder
Wie ein Spiegel dieser Zeiten, hart und mit der Not verhangen
auf den Tränen Gottes‘ Wangen zeigt sich dieses Bildnis wieder
Novemberregen weint er traurig, als würd' er um Verzeihung bangen


Fühl', mein Kind... Novemberlicht


Sommer 2005
 
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