Samstag, 1. August 2009

Ataraxie: Eine Miliz schreiben

An die
Palisadenspringer
Hürdennehmer
Klippentänzer
Hermeline

An die,
die hinter und nicht vor sich
gähnend tiefe Gruben graben
die köpfen und nicht scheiteln
und greifen statt zu schieben

An all die
Mageren, schwarzen Ringer,
die narzisstisch Kinder morden
an die, die sich zu früher Stunde
bekennen zum Vergiss-Dein-Orden

Sagt - und sprecht in Versen…

Erfasst ihr auch das Regelwerk
Der warmblütigen Dämmerspiele
Mit jedem kleinen Randvermerk?
Verkennt ihr nicht das wahre Ziele
Der Unzahl eurer Trippelschritte,
die einst mal fort und einst mal hin
bewegen sich zur Tagesmitte
Mit Schuhwerk fest und ohne Sinn?

Habt ihr, wie Priester ihre Andacht,
zum Gähnen euch im Hinterkopfe
den Schwur des Ordens selbst erdacht
und eurem eignen Herzgeklopfe
artistisch ins Gesicht gelacht
So denn das Blut den Kopf verstopfe?

Und wenn ihr licht und angepinselt
Mit Feuersteinen Regeln brecht,
sagt, was dort an euer Ohre winselt,
Ist es nicht euer Schrei nach Recht?
Der, wenn ihr euch schlafend stellt,
als Aal durch eure Kehlen glitscht
und Wehe in die Sterne bellt
Als Laut, der sich mit Licht vermischt

„Die Dekadenz versteh‘ ich nicht
Trotz ich um ihren kalten Klang
Und ihrer Funkelaugen Sicht
In meiner Jugend Jahre rang
Ich armer, selbstverlor‘ner Wicht
bin selbst kaum, was ich stets verlang“

Mag euer ungebund‘nes Tanzen
Wohl doch nur falsches Torkeln sein,
Ein insgeheimer Schritt vor Lanzen?
Und jeder fruchtig süße Wein
Soll nicht für Freiheit und Gewalt
Euch streckenhaft Vergessen lehren
Sondern nur Aas und Missgunst bald
In euren eignen Schatten kehren?

Grabt ihr vielleicht nicht ob der Tiefe
Und ihrem dunklen Grubenerz?
Trennt ihr den Sand bis ins Reliefe
Wohl etwa nur, weil euer Herz
Bloß Erde und Gesteine sucht
Und ihr mit Schaufeln graben müsst
Damit euch, wenn ihr Nächtens flucht,
Das Echo keusch als Fremde küsst?

Wenn dann die feige Nietzschekrähe
Ihr Lock-mich-fort zum Himmel schnarrt
- Die schlanke Winterkoryphäe -
Habt ihr euch in den Ton vernarrt
Nehmt nur Reißaus, flieht aus dem Eis
Und baut aus Brennholz euer Heim
Wisst ihr denn nicht – der Schnee ist weiß
Er darf nicht warm und farbig sein
Denn jeder Schritt, den ihr nun hastet
Ist fest und tief in ihn geprägt
Da Schwere euch den Sinn belastet
Der weder Tanz noch sich verträgt

So nehmt ihr auch, jetzt wird es klar,
die Hürden um des Grauens willen
Ihr könntet nie den Kinderzar
An euren schlaffen Brüsten stillen
So stürzt in eure falschen Schächte
Die nun doch wieder vor euch klaffen
Die Königin der milden Nächte
Wird Neue eurer Art erschaffen

Mir dünkt, die Wichte eures Schlages
Mit breitem Kreuz und langer Tracht
Sie wollten sich zuletzt nichts Arges
Und haben sich doch umgebracht
Man sieht sie unter jenen stehen
Die sie mit ihren Liedern kränken
Und leise Vers für Vers vergehen
Die Minne über Wert verschenken

Dankt dem Vater, dankt der Mutter
Und paart euch selbst die Gene wund
Die Noten retten – sagt schon Luther
So führt dem Kinde an den Mund
Das Blasstück jeder Blechposaune
Und prägt ihm Ordensverse ein
Auf dass es dann im Alter staune
„Ich war so frei, so stark, so rein!
Kein Mensch erfuhr je meine Größe
Wer kann schon jene Tränen schmecken,
Die jeder opfert, fern der Blöße,
Der es versteht, sich fort zu recken“

Erkennt ihr Augen, Nase, Mund?
Seht ihr in euren Findelkindern
Dem eigenen Gesicht auf Grund?
Vermag es eure Schmach zu lindern
Dass ihre Fratzen euren gleichen?
Wenn nicht, soll es euch daran hindern
Mit Wasserblut die Welt zu bleichen!
Könnt ihr euch schon nicht selber mindern
So dürft ihr... mit der Zeit verstreichen


Genug der Verse – Abstraktion!
 
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